Steh Dir nicht selbst im Weg

Steh Dir nicht selbst im Weg - Selbstverteidigung und Kampfsport

Steh Dir nicht selbst im Weg

Der Gedanke, Fehler zu machen, setzt viele unter Druck. Oftmals hält uns diese Angst davor ab, Dinge überhaupt anzufangen oder unbeschwert auszuführen. Am liebsten möchten wir ohne jegliche Probleme und Anlaufschwierigkeiten starten und von der ersten Stunde an Meister unseres Fachs sein. Fehler setzt man automatisch mit Scheitern, Blamage und Rückschritt gleich – um dies zu vermeiden, legen wir gar nicht erst los oder hören nach der ersten Hürde gleich wieder auf.

Woher kommt die Angst vor Fehlern?

  • Schauen wir unsere Vorbilder an, achten wir meist nicht auf den vorhergegangenen Lebenslauf. Obwohl wir doch eigentlich wissen, dass jeder, der nun an der Spitze ist, mit den gleichen Rückschlägen zu kämpfen hatte (und hat!) wie wir, konzentrieren wir uns nur darauf, wie viele Schritte zwischen uns zu liegen scheinen. Die Vorstellung, ebenfalls dorthin gelangen zu können, erscheint uns geradezu abwegig. Dies lässt sich auf den Kampfsport, als auch berufliche und private Ziele anwenden. Wir müssen uns dabei ins Gedächtnis rufen, dass jeder einmal dort war, wo wir uns gerade befinden. Noch nie ist ein Meister vom Himmel gefallen! Neben Disziplin und Beständigkeit, ist die Eigenschaft, die all unsere Vorbilder vereint, die Kraft, immer wieder aufzustehen und aus Fehlern zu lernen. Gemachte Fehler sind kein Rückschritt, sondern die Möglichkeit, sich immer weiter verbessern zu können.
  • Es ist uns anerzogen, Fehler mit Tiefschlägen gleichzusetzen. Wir bekommen schon seit unserer Kindheit aufgezeigt, dass Fehler auf keinen Fall gemacht werden dürfen. Dabei denken wir an unsere Schulzeit und an schlechte Noten, die einen die Versetzung kosten können – ohne den passenden Durchschnitt werden wir doch niemals unseren Traumjob ausüben können! Es wird mit Entmutigung und Angst vor Fehlern gearbeitet, anstatt gezeigt zu bekommen, dass wir den Willen in uns haben, immer wieder aufzustehen!
  • Der irrationale Glaube, dass der Mensch wie eine Maschine funktioniert. Leicht vergisst man vor allem im Arbeitsleben, dass Fehler menschlich und unvermeidbar sind. Anerkennung und Respekt scheint uns nur gezollt zu werden, wenn wir fehlerfrei arbeiten. Wir stehen unter ständigen Leistungsdruck, dessen Folgen uns auf Dauer schädigen. Burnout und Depressionen können die Folge dieser Art von Stress sein. Alter und Geschlecht sind dabei irrelevant, denn jeder kann davon betroffen sein!

Machen wir uns klar: Perfektionismus ist kein erstrebenswerter Zustand, da er niemals erreicht werden kann!

Unsere Angst vor Fehlern wird also durch viele Dinge genährt. Sich ihr entgegenzustellen und zu besiegen ist anstrengend und nicht in alte Muster zu verfallen, ebenso hart. Wir müssen uns immer wieder aufs Neue daran erinnern, dass es unmöglich ist, keine Fehler zu machen und genau diese Angst uns gerade dazu bringen wird, nicht unser Bestes geben zu können. Wir hemmen uns selbst und geben uns gar nicht erst die Möglichkeit, gute Arbeit abzuliefern. Unsere Stimme im Hinterkopf sollte uns also nicht ständig daran erinnern, möglichst nichts falsch zu machen.

Viel mehr sollten wir uns selber darauf hinweisen, dass Fehler nichts Schlimmes bedeuten. Aus ihnen lernen wir und verbessern uns stetig, sie zeigen uns, wo wir uns verrannt haben und welche Schwachstellen vielleicht besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Nicht nur gibt uns das die Menschlichkeit im Arbeitsalltag zurück, auch Stress wird gemindert und wir verhelfen uns selbst zu ganz neuen Leistungen. Es ist beeindruckend, was wir erreichen, wenn wir unserer Angst vor Fehlern anders begegnen und welche Entspannung wir beim Ausführen von neuen oder schwierigen Aufgaben dabei haben können. Perfektion darf uns als Anreiz dienen, um unseren Idealen näher zu kommen. Nur dürfen wir dabei nicht aus den Augen verlieren: Niemand ist perfekt!

Bezug zum Kampfsport und zur Kampfkunst

Beziehen wir das Ganze auf den Kampfsport, sehen wir, dass wir auch hier den Druck empfinden, alles gleich perfekt ausführen zu können. Einige nehmen schon gar nicht am Probetraining teil, weil sie Angst davor haben, die Übungen nicht genauso sicher ausführen zu können, wie andere Mitglieder. Unsere unbegründete Angst hindert uns also, anzufangen, besser zu werden, neues zu lernen und Spaß zu haben.

  • Erinnert auch daran, dass auch hier jeder mal angefangen hat und man keine Panik haben muss, etwas falsch zu machen. Das Einzige, was uns hier gezeigt wird, dass es Übungen, Schritte und Ausführungen gibt, an denen wir arbeiten werden. Das ist normal! Wir müssen den Fortschritt, den wir bei anderen sehen, als Ansporn wahrnehmen. Denn auch wir werden uns stetig verbessern und immer mehr beherrschen können – genauso wie jedes andere Mitglied vor uns.
  • Setzten wir uns nicht unter Druck, etwas in einer bestimmten Zeit zu schaffen, wie wir es bei jemand anderem gesehen haben. Unsere Begabungen und Talente liegen alle in unterschiedlichen Bereichen. Vielleicht dauert es bei uns ein paar Tage länger, einen bestimmten Schlag perfekt ausführen zu können. Das ist kein Fehler, kein Makel, sondern vollkommen menschlich.
  • Mehrere Anläufe und Scheitern gehören einfach dazu. Sobald wir das annehmen, frustrieren wir uns selbst weniger und nehmen den Zwang aus der Sache beziehungsweise unserer eigenen Angst den Wind aus den Segeln. Fakt ist, dass Verbesserungen durch beständiges Training erfolgen.

Lassen wir uns also davon leiten, dass wir aus Fehlern lernen. Und etwas neu Erlerntes kann kein Misserfolg sein!